Bildung hat heute einen anderen Stellenwert als zu Zeiten, als eine Hochschulausbildung fast ausschließlich den Reichen und den Bessergestellten möglich war. Die meisten Menschen besuchten nur die Hauptschule und machten dort oft genug nicht einmal einen Abschluss. Die Masse der Arbeiter waren ungelernte Arbeiter. Dies hat sich geändert. Es ist ein starker Trend in Richtung Hochschulausbildung zu erkennen. 2002 besuchten 33% der 13-jährigen ein Gymnasium, 25% eine Realschule und gerade mal 23% eine Hauptschule. Dagegen besuchten um 1950 knapp 80% der Schüler Hauptschulen.
In den 1960er und 1970er Jahren begann die sog. "Bildungsexpansion". Das Angebot an Hochschulen wie Realschulen, Gymnasien, Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten wurde enorm ausgebaut. Es wurde mehr Geld für Stellen für Lehrkräfte von den Ländern genehmigt. Die Bildungsbeteiligung in diesen Bereichen stieg daher auch. Die Institutionen wurden auch für die unteren Schichten geöffnet, sodass auch Kinder aus ärmeren Familien eine Hochschule besuchen konnten. Dafür wurde das Bafög eingeführt, ein zunächst kostenloses Darlehen vom Staat, mit dem ein Studium finanziert werden konnte. Dadurch, dass wesentlich mehr Menschen einen höheren Abschluss erreichen, wird dieser immer mehr zum Standard. In vielen Berufen, für die früher ein Hauptschulabschluss vollkommen ausreichend war, wird heute die Mittlere Reife oder sogar das Abitur verlangt. Ein Hauptschulabschluss ist heutzutage kaum mehr etwas wert. Gleichzeitig wird aber beispielsweise ein Realschulabschluss etwas entwertet, da er nichts Besonderes mehr ist, wenn so viele Menschen ihn haben. Die jungen Menschen verweilen länger im Bildungssystem und treten erst sehr spät ins richtige Berufsleben ein. Dies kann auch Auswirkungen auf die Rentenpolitik haben, da die Studierenden ja keine Rentenbeiträge bezahlen und daher die Rentenkasse nicht weiter gefüllt wird.
In den letzten Jahren zeichnet sich eine Bildungskrise ab. Dies zeigt sich beispielsweise am Lehrermangel. Im Zuge der Bildungsexpansion wurden neue Gelder für die Schaffung von Lehrerstellen genehmigt. Das Problem dabei ist nur, dass es keine Anwärter auf diese Stellen gibt. Viele Posten bleiben unbesetzt, weil es keine geeigneten Bewerber gibt. Gleichzeitig jedoch erhöht sich die Zahl der Studenten ständig. Auch ein Problem ist die mangelnde Chancengleichheit von Arbeiterkindern in Schulen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Einführung von Studiengebühren, die die Studenten nun aufbringen müssen, um ihr Studium zu finanzieren. Ein Kind reicher Eltern hat hier kein Problem, aber welche Entscheidung wird hier von Eltern getroffen, die mit ihrem Einkommen gerade so leben können. Diese Entscheidung wird mit ziemlicher Sicherheit gegen die Bildung ausfallen. Man kann hier die Entwicklung zu einer "Bildungsschere" erkennen: reiche Kinder werden noch mehr gefördert und unterstützt, die Arbeiterkinder hingegen verlieren weiter am Boden im Wettlauf um die Bildung.